Vorwort: Die Chronik der "Staatse Käels"
Vieles ist bereits niedergeschrieben worden, seit sich den Menschen diese Möglichkeit der Kommunikation bietet. Darunter große Werke, die teilweise die Welt veränderten. Ich will hier gar nicht mal die Bibel nennen, dieses Buch der Bücher, welches aufgrund seiner besonderen Bedeutung mit keinem anderen Werk seiner Art vergleichbar ist. Dennoch ist die Literaturgeschichte voll mit Meilensteinen, die die Menschen aufgewühlt haben, zum Nachdenken anregten, sogar Umbrüche brachten und vieles mehr. So z.B. geschehen durch Harriet Beecher-Stowes "Onkel Toms Hütte", Adam Smiths "Untersuchung über die Natur und den Wohlstand der Nationen" oder Harald Juhnkes "Alkohol ist keine Lösung". Meine Aufgabe als Chronist und Zeitzeuge ist es nun, dieser Vielzahl an Niederschriften ein neues Epos hinzuzufügen: Die Chronik der "Staatse Käels".

Es ist nicht leicht einen Zeitraum der die Geburt einer Vereinigung und ihren unaufhaltsamen Aufstieg zu Weltruhm umfasst lückenlos darzustellen, ja ich möchte sogar behaupten, es ist unmöglich. Zu vergänglich sind einzelne Erlebnisse, zu subjektiv ist auch die Ansicht eines Einzelnen und zu viel ist geschehen um alles wiedergeben zu können. Dennoch möchte ich Euch, liebe Leser, einen möglichst umfassenden Überblick über das geben, was geschah und wie es dazu kommen konnte, dass ein kleiner Haufen junger Männer eine Gemeinschaft bilden konnte, die zu jeder Zeit die Massen bewegte und unaufhaltsam in ihren Bann zog, bis in die Gegenwart hinein.

So laßt Euch nun entführen, in die Welt des Unbegreiflichen, des Faszinierenden und des Bewegenden, die Welt der "Staatse Käels"! Um Euch den Überblick ein wenig zu erleichtern, ist diese Chronik in verschiedene Kapitel unterteilt, die sich jeweils mit einem bestimmten Zeitraum oder Thema beschäftigen. Viel Spaß beim Lesen und wir sehen uns spätestens auf "Unges Pengste"!!!


1. Kapitel: Die Gründungsversammlung
Es war im August des Jahres 1988 als sich 7 junge Burschen "Am Hommelshof" in den Räumlichkeiten der Familie Altenberg trafen, um die Gründung eines neuen Schützenzuges zu vollziehen. Ein knappes Jahr später sollten es übrigens auch genau 7 Kameraden sein, die auf dem Korschenbroicher Schützenfest ihr Debüt unter dem Namen "Staatse Käels" gaben, aber dazu später mehr.

So trafen sie also nach und nach ein, die Pioniere, eigentlich ein recht zusammengewürfelter Haufen. Da waren zunächst Andreas Altenberg, später als Alti berühmt geworden, Heinz-Peter Hillers, dito unter Hille, und Andre Hoppen, die sich aus ihrer aktiven KJG-Tätigkeit (hier machte sich vor allem Erstgenannter als brutaler Gruppenführer einen Namen) zusammengetan hatten und sich schon viele Jahre kannten. Hille zweifelte im Vorfeld noch, ob er einem Schützenzug beitreten sollte, denn durch eine Knieverletzung, die er sich beim Skifahren zugezogen hatte, sah es so aus, als könne er nicht mitmarschieren. In späteren Jahren störte es ihn nicht, wenn er sich so vollaufen ließ, dass er auch nicht mehr marschieren konnte (siehe Unges Pengste 1998). Aber zum Glück rieten seine Eltern ihm, dem Zug trotzdem beizutreten. Stéphane Renoux (Rennie) und Thomas Siegers (Siggi) erschienen ebenfalls voller Vorfreude zum ersten Versammlungsabend, den beide nicht unbeschadet überstehen sollten. Sie waren Schulkameraden von Hille und so über ihn zur Gruppe gestoßen. Frank Hartdegen war der Sechste im Bunde, der Einzige, der bereits aktiv am Schützenfest teilgenommen hatte, sich aber anschließend mit seinem damaligen Zug überworfen hatte. Als guter Freund von Andre Hoppen und ebenfalls Schulkamerad war er allen bekannt und gerne in die Gründung miteinbezogen worden. Mit dem siebten Gründungsmitglied gab es einige Probleme: Claus-Henry Geratz, genannt Gero und ebenfalls Schulkamerad von Hille und Co., war sich noch nicht so ganz schlüssig, ob er denn eine Schützenkarriere anstreben solle und als die Tendenz in der morgendlichen Physik-Schulstunde eher dagegen zu sprechen schien, war es förderlich, dass Gero seinen Platz genau zwischen Hille und Siggi hatte, so dass beide durch überzeugende Worte und harte Schenkelschläge der Entscheidung "pro" Schützenzug auf den Weg helfen konnten. So war Gero sogar einer der Ersten, die am besagten Samstag abend bei Andreas Altenberg erschienen.

Nun konnte es also losgehen. Die Frage war jetzt: Wie führt man so eine Gründungsversammlung durch, was muss abgeklärt werden, wer kümmert sich um was? Die Stimmung war natürlich allgemein sehr fröhlich. 10 Liter Hannen Alt standen zur Verfügung (ja, lieber Leser, damals war das noch satt und genug um uns zufriedenzustellen!) und einige konnten ihre Erfahrungen mit einbringen, da sie erblich vorbelastet waren durch Väter, die ebenfalls aktive Schützen waren. Absolutes Greenhorn war hier Rennie, der nicht nur ohne Schützenvorfahren war, sondern zu allem Übel noch als Einziger aus Kleinenbroich kam, Du weißt schon, jenes östliche Stadtgebiet, das damals noch jenseits der Mauer lag. Eine Versammlungsordnung gab es natürlich noch nicht, kreuz und quer taten wir unsere Meinungen kund. Die erste wichtige Entscheidung, die zu fällen war: Wie sollte er heißen, der neugeborene Schützenzug? Es gab verschiedene Überlegungen und Vorschläge, von denen allerdings ziemlich schnell Andre Hoppens Vorschlag "Wer maake met" (Wir machen mit) den besten Anklang fand. Zu klären galt noch, ob es denn auf Korschenbroicher Platt "Wer" oder "Mer" heißt. Wie es wirklich richtig ist, das weiß ich bis heute nicht. Ein Name war also gefunden, und alle die jetzt verwundert fragen, was das Ganze mit den "Staatse Käels" zu tun hat, sollten die weitere Entwicklung abwarten. Verteilung der Ämter stand nun als nächstes auf dem Programm. Obwohl es noch einige Monate bis Pfingsten, dem Termin des Korschenbroicher Schützenfestes "Unges Pengste" hin war, stand die Vergabe des wichtigsten Postens, des Offiziers, im Mittelpunkt. Da wir ja fast alle noch Grünschnäbel waren, war der Kandidatenandrang für diesen Posten recht überschaulich. Lediglich Andre Hoppen, dessen Bruder Rainer vorhatte die Königswürde der St.Katharina Junggesellen Bruderschaft zu erringen, und Frank Hartdegen, der ja schon ein Jahr Erfahrung hatte, bekundeten ihr Interesse und man entschloss sich, dies auf einem Offizierskegeln ebenso zu ermitteln, wie den Seitenoffizier. Damit war auch schon die erste Tradition geschaffen, denn der Offizier und der Seitenoffizier werden bei den "Staatse Käels" auch heute noch bei einem Kegeln ermittelt. Weitere Aufgaben wurden ebenfalls schon verteilt: Stéphane Renoux wurde Vertrauensmann, das Verbindungsglied zwischen Schützenzug und Bruderschaft, Heinz-Peter wurde zum Kassierer ernannt und Claus zum Schriftführer. Eins kann ich jetzt schon verraten: Keiner der Auserwählten sollte lange Freude an seinem Amt haben.

Nachdem die wichtigsten Punkte geklärt zu sein schienen und das Fass geleert war, entschloss man sich gemeinsam noch das TVK-Sommerfest zu besuchen, das am gleichen Abend auf dem Korschenbroicher Sportplatz statt fand. Dort ging der Abend feucht fröhlich weiter, endete jedoch für Stéphane und Thomas wie oben schon erwähnt nicht so glücklich. Der Alkohol, dessen Wirkung man noch nicht so im Griff hatte, hatte natürlich Spuren hinterlassen und Thomas ließ sich den Abend noch mal durch den Kopf gehen. Das sollte übrigens nicht das letzte Mal sein, das ihm das passierte. Stéphane, der zuvor noch auf sein modernes Sportrad stolz war, musste als er die Heimreise antreten wollte feststellen, dass dieses gestohlen worden war. So ging es also noch zur Polizeistation, wo er allerdings nur den Hinweis erhielt, der Diebstahl könne erst am Montag aufgenommen werden.

Trotz dieser beiden eher negativen Erlebnisse, war es jedoch alles in allem ein positiver Auftakt und alle waren sich einig, dass es weitergehen würde mit diesem neuen Schützenzug. Von Einem ist übrigens noch zu reden, der eigentlich auch Gründungsmitglied ist, allerdings bei der ersten Versammlung nicht anwesend war. Die Rede ist von Markus Beyer, damals schon wegen seiner langen Haare und seinem Kutten-Outfit berühmt-berüchtigt. Auf Anregung von Andre Hoppen wurde auf der ersten Versammlung bereits der Beschluss gefällt, ihn vor dem Schützenfest zwecks Haarkürzung noch zum Friseur zu schicken.


2. Kapitel: Warten auf Unges Pengste
Die zweite Versammlung des neuen Schützenzuges "Wer maake met" fand im Keller von Thomas Siegers in Raderbroich statt. Hier gab dann auch Markus Beyer sein offizielles Debüt. Wieder gab es ein 10 Liter Fass, welches allerdings diesmal schon um ein paar Flaschen Bier ergänzt werden musste. Es wurde viel erzählt und der Abend trug dazu bei, dass man sich allgemein besser kennenlernte.

Sieben Leute waren für einen Schützenzug natürlich noch nicht viel und so hielten wir alle Ausschau nach personeller Verstärkung. Sehr schnell trafen wir da auf Ulrich Wöllke der, wie sollte es anders sein, den meisten aus der Schule bekannt war. Auch er hatte Interesse und so lud man ihn zur nächsten Versammlung ein. Diese fand zum ersten Mal auf öffentlichem Terrain statt, nämlich in der Gaststätte "Zur Waldesruh", in Anlehnung an die Wirtsfamilie auch liebevoll "Oedinger" genannt. Es sollte ein denkwürdiger Abend werden, auch wenn die Beteiligten das damals noch nicht wissen konnten.

Eine Entscheidung über ein Stammlokal für den Schützenzug war noch nicht getroffen, die Meinungen hierüber waren sehr geteilt, die Hälfte war für besagtes "Oedinger", die andere Hälfte für "Schmitten". Als eine Abstimmung bei einer der ersten Versammlungen eine hauchdünne Mehrheit für die Gaststätte Schmitten ergab, machten sich Heinz-Peter und Thomas auf den Weg dorthin, um den Schützenzug "anzumelden". Das Schicksal hatte es jedoch anders vorgesehen, die Gaststätte war geschlossen und die Anmeldung musste vertagt werden. Es sollte später nie mehr dazu kommen. So hielt man also an jenem Herbst- oder Winterabend, ohne es zu wissen, die erste Versammlung in dem Lokal ab, dass einmal das Stammlokal der "Staatse Käels" und ein bedeutender Schauplatz in der Geschichte dieses Zuges werden sollte.

Der zweite denkwürdige Moment ergab sich auf der Versammlung selbst. Im Laufe der ersten Wochen waren bei einigen Zweifel aufgekommen, ob der Name "Wer maake met" nicht doch etwas zu einfallslos für einen Schützenzug sei. So wurden neue Überlegungen angestellt und am Abend sollte es zu einer endgültigen Abstimmung über den Namen kommen.

Im Vorfeld hatte sich hier ein neuer Favorit herauskristallisiert. Es schien so, als würde aus dem Schützenzug "Wer maake met" der Schützenzug "Verrekesköpp" zu deutsch "Schweineköpfe". Neben dem alten Namen "Wer maake met" und dem neuen Vorschlag "Verrekesköpp" stand ein weiterer Namensvorschlag zur Wahl. Er war von Ralf Heinrichs, Hilles Schwager in spe und gleichzeitig Fähnrich der St. Katharina Junggesellen Bruderschaft, ins Gespräch gebracht worden. Von Ralf Heinrichs wird übrigens noch zu reden sein, denn er hatte über die Jahre hinweg immer eine besondere Beziehung zu diesem Schützenzug. Er schlug uns den Namen "Staatse Käels" vor, mit der Begründung, dass wir in späteren Jahren sicher nicht als "Schweineköpfe", sondern lieber als "stattliche Kerle" angesehen werden wollen. Damals war das noch nicht allen bewusst, ich gebe zu, mir auch nicht, aber er sollte recht behalten. So ergab dann auch die Abstimmung eine zwar nicht einstimmige, aber eindeutige Entscheidung. Die Überraschung war perfekt und die "Staatse Käels" waren geboren.

Im Frühjahr 1989 wurde die Vorfreude immer größer und die "Käels" konnten es kaum erwarten, bis endlich das Schützenfest gefeiert würde. Im Trietenbroicher Feld wurde unter Anleitung von Ralf Heinrichs kräftig das Marschieren geübt, den Kassettenrecorder mit Marschmusikkassette immer dabei. Es war natürlich eine recht lustige Angelegenheit. In Trietenbroich in der Gaststätte Schramm ("Heinrichs Aap") kam es dann auch zum Showdown der beiden Kontrahenten um das Offiziersamt, Andre Hoppen und Frank Hartdegen. Zehnmal wurde in die Vollen gekegelt, der Beste sollte Offizier werden. Rennie räumte, durch Glück oder Können, die meisten Hölzer ab und sicherte sich so das Anrecht auf den Posten. Damals konnte man so ein Amt jedoch noch ablehnen und er machte davon Gebrauch, so dass der Zweitplatzierte, Frank Hartdegen, als Offizier feststand.

Dann folgte jedoch die erste Krise der "Staatse Käels". Ich weiß aus heutiger Sicht nicht mehr genau, wie es dazu kam, aber plötzlich gab es eine gewisse Missstimmung im Schützenzug. Dinge, die man aus heutiger Sicht vielleicht als lächerlich einstufen würde, führten dazu, dass Zwietracht auftrat, die letztlich im Ausschluss von Frank Hartdegen und im Austritt von Andre Hoppen gipfelte. Es waren sehr unschöne Vorkommnisse, an deren Ende die Existenz des ganzen Schützenzuges auf dem Spiel stand, denn wir waren nur noch zu siebt und bei der angekratzten Stimmung war es ungewiss, ob nicht noch jemand abspringen würde. Bis Pfingsten war es nun nicht mehr weit und glücklicherweise rauften sich die 7 Übriggebliebenen zusammen und damit stand auch die Mannschaft, die Pfingsten vor der Ehrentribüne aufmarschieren sollte. Nun standen wir natürlich wieder ohne Offizier da und nach Rücksprache mit allen stellte sich heraus, dass Thomas als Einziger geil auf diesen Posten war, also ließ man ihn gewähren. Als Seitenoffizier sollte Claus fungieren (er hatte diesen Titel auch auf regulärem Wege beim Kegeln errungen). Bei anderen Posten hatte sich zwischenzeitlich auch das Personalkarussell gedreht, so war Heinz-Peter inzwischen V-Mann und versorgte uns mit Informationen aus der Bruderschaft. Markus Beyer war Kassierer geworden. Ob Claus noch Schriftführer war lässt sich im Nachhinein nicht so genau sagen, denn er hat in dieser Funktion eh nie was gemacht.

Eine Anmerkung noch zu den unschönen Vorkommnissen um den Rauswurf von Frank Hartdegen: Man kann nicht sagen, wessen Schuld es letztendlich war, dass es so kam, sicher hatten alle Seiten eine gewisse Teilschuld, aber in den Folgejahren hat sich so ein Vorfall bei den "Staatse Käels" nicht wiederholt und es wurde auch besonderen Wert darauf gelegt das das so ist. Sicher wurde im Laufe der Zeit der Ein oder Andere mal schlecht behandelt, aber "Mobbing" gab es in diesem Schützenzug nie mehr.

Einen Vogelschuss veranstalteten die "Staatse Käels" in ihrem ersten Jahr auch noch. Am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt, also eine Woche vor Pfingsten, fand dieser in der Gaststätte Dresen in Raderbroich statt. Wir schossen vor dem Schützenzug "Palaverköpp", dem Zug von Thomas' Vater Hemma. Unter Schießaufsicht von "Kuhle Lang" wurde Markus Beyer unser erster Zugkönig (damals noch ohne Königssilber). Von den Palaverköpp bekam er dafür ein rustikales Abendessen (Bratkartoffeln mit Spiegelei) ausgegeben.

Und so kam es dann, das langersehnte erste Schützenfest, und da wir in letzter Sekunde doch noch daran gedacht hatten bei Hintzen Uniformen zu bestellen, konnten wir sogar daran teilnehmen.


3. Kapitel: Unges Pengste 1989 "Das erste Mal"
Die Vorfreude war riesengroß und alle konnten es kaum erwarten, das erste Schützenfest für die "Staatse Käels". Am Donnerstag ging es für Hille und Siggi los, sie waren beim Silberputz in der Gaststätte von Herbert Poschen dabei. Dort ernteten die "Staatse Käels" ein Lob, denn wir hatten im Vorfeld von Pfingsten für eine Belohnung von 100,- DM Pfingstplakate außerhalb von Korschenbroich verteilt. Da wir ja alle noch nicht motorisiert waren, mussten wir die Strecken mit dem Fahrrad absolvieren. Immerhin trafen wir irgendwo in einem Kaff in einer Kneipe einen Korschenbroicher, Bernhard Jansen, der uns prompt eine Runde ausgab.

Aber zurück zu Pfingsten: Unsere Maien bekamen wir über private Kontakte von Thomas' Onkel ("Onkel Jupp"). Sie sollten am Freitag geschlagen werden, und da Thomas zur gleichen Zeit bei Hintzen um unsere Uniformen kämpfte, und die anderen Käels keine Zeit zu haben schienen, hatte Hille das Vergnügen alleine mit Onkel Jupp eine handvoll Maien aus dem Gestrüpp zu schleppen.

Am Freitagabend und am Samstag stand dann das Maiensetzen auf dem Programm. Bei Markus Beyer, der als Zugkönig einen Mai gesetzt bekam, erwartete uns eine schöne Überraschung. Sein Vater, ebenfalls eingefleischter Schütze, spendete uns einen Offiziersorden den wir noch heute voller Stolz tragen. Markus Beyer zeichnete übrigens auch für die Schilder verantwortlich, die wir an den Maien anbrachten. Als gelernter Schreiner konnte er hier sein ganzes Können einbringen. Am Samstag hatte wieder eine Tradition Premiere: Beim Offizier Thomas wurde der Nachmittag mit Grillen und Trinken verbracht. Probleme gab es hier beim Setzen des Mais, da dieser so groß war, dass er beim Aufsetzen die Telefax-Leitung des Nachbarn streifte. Der fand das gar nicht lustig und befürchtete die Leitung würde die Aktion nicht überleben. So musste der Mai mehrmals aus dem Loch herausgezogen, gekürzt und neu gerichtet werden, bis es auch dem Nachbarn passte. Das alles natürlich begleitet von Ulis markanter Lache. Eine letzte Marschier-Generalprobe gab es noch und wir schienen für die Paraden gut gerüstet.

Pfingstsonntagmorgen, auch Usus bei den Käels, wurde zum Auftakt der Gottesdienst besucht. Als einziger Protestant war Uli hiervon befreit. Zum ersten Mal trugen wir die Schützenuniformen und waren natürlich mächtig stolz. Im Festzelt wurde dann der Frühschoppen mit Ordensverleihung abgehalten und die Begrüßungsworte von Sebastianer-Präsident Hermann-Josef Kronen wird wohl keiner je vergessen: "Liebe Schützenbrüder, Diiie Heimat prangt im Blütenkranz, in Saft steht Feld und Weide, das Dorf liegt hell im Sonnenglanz, und Fahnen künden Freude. Es leuchtet frisch des Maibaums grün, viel bunte Bänder zieren ihn, vom hohen Turm es beiert, Unges Pengste wird gefeiert." Ich denke keine anderen Worte können diese Situation so treffend wiedergeben, wie die erste Strophe des Korschenbroicher Pfingstliedes.Seit diesem ersten Jahr wissen wir übrigens auch, warum es oft heißt, die Korschenbroicher machen sich das Pfingstwetter selber, denn das Wetter war einfach klasse.

Unsere ersten Paraden konnten wir unfallfrei überstehen. Der vor uns gehende Schützenzug "Schlappe Kisten" verwirrte uns zwar immer ein wenig, denn sie waren nie da und stießen immer erst Sekunden vor dem Vorbeimarsch aus der Gaststätte "Zum Anker" fallend zum Regiment. Ralf Heinrichs hatte uns geraten erst kurz vor der Zuschauertribüne mit dem Marschieren zu beginnen. Das war wohl doch etwas spät, denn der nachfolgende Schützenzug hatte beim ersten Mal schon zu uns aufgeschlossen. Das Jahr 1989 war übrigens das einzige Jahr in dem von Ecke Mühlenstraße Richtung Kirche marschiert wurde. Seit 1990 geht es wieder nach alter Tradition andersrum. Bei der Parade war Hille, der ja nicht mitmarschieren konnte, immer für die Getränke zuständig.

Beim Frühstück beim König Karl Manns in Neersbroich am Pfingstmontagmorgen hörten wir zum ersten Mal den berühmten 16er Marsch der Musikkapelle Brachelen. Damals wunderten wir uns natürlich nicht schlecht über die ausgelassene Stimmung.

Erste Kontakte zu evtl. Neuverpflichtungen für den Schützenzug gab es auch schon. Am Pfingstdienstag fragte uns ein gewisser Roman Bahnen, damals Mitglied im Schützenzug "emmer to", ob wir noch Leute aufnehmen würden und bekundete sein Interesse. Auch wir waren nicht abgeneigt und verabredeten, dieses Thema nach Pfingsten noch mal aufzugreifen.

Beim Königsball am Pfingstmittwoch war unser Zug etwas zusammengeschrumpft. Nicht alle hatten grünes Licht um noch mal auf den Putz zu hauen, denn die meisten waren ja noch Schüler und am nächsten Tag standen Schule und sogar Klausuren auf dem Programm. Claus, Markus, Uli und Thomas waren aber noch dabei und sie bereuten es nicht. Erst recht nicht, als die Marschwertung bekannt gegeben wurde. Wir belegten sensationell den ersten Platz (natürlich hatten wir den Bonus, dass wir ein neuer Schützenzug waren) und bekamen einen Gutschein über 50 Liter Hannen Alt überreicht. Niemand braucht jetzt zu denken wir wären Ausnahmetalente, denn bis heute ist es immer noch unser einziger Marschierpreis den wir erringen konnten.

Das freudige Ereignis wurde noch ein bisschen gefeiert, bis dann schließlich das erste Schützenfest für die "Staatse Käels" vorbei war. Alle waren begeistert und jeder freute sich sofort wieder auf das nächste Jahr. Spätestens jetzt war klar: So schnell würde uns die Lust an "Unges Pengste" nicht vergehen.


4. Kapitel: Der Schützenzug wächst und gedeiht
Nachdem es im ersten Jahr aufgrund der geringen Anzahl von Schützenbrüdern noch auf der Kippe stand, ob die Staatse Käels bei Unges Pengste überhaupt mit aufmarschieren würden, ging von nun an alles wie von selbst. Die Verhandlungen mit Roman Bahnen konkretisierten sich. Hierbei galt es einen Mitbewerber, den Schützenzug "Ongerm Doesch" zu dem uns bis heute eine "freundschaftliche Feindschaft" verbindet auszustechen. Dank unseres Verhandlungsgeschicks konnten wir erreichen, dass Roman sich schließlich für uns entschied und Mitglied auf Probe wurde. Man muss dazu sagen, dass wir mächtig stolz waren einen Schützen von "emmer to" dazuzugewinnen, denn "emmer to" die bereits zwei Jahre vor den Käels Mitglied der Bruderschaft geworden waren, hatten sich schon einen Namen gemacht und gerade Roman eilte der Ruf voraus, einiges abpumpen zu können. Da fühlte man sich, mangels eigener Trink-Erfahrung dann doch sicher, so einen Routinier in den eigenen Reihen zu haben. Die Neigung der Käels teilweise zu übertreiben war jedoch damals schon vorhanden, und so fühlte sich Rennie genötigt, im sicheren Glauben mit Roman einen ausgewiesenen Kampftrinker auf seiner Seite zu haben, den Schützenzug "Ongerm Doesch" auf dem Oktoberfest zu einem Kampftrinken herauszufordern. Eine nicht unbedeutende Menge an Bier stand auf dem Spiel, aber glücklicherweise kam es nie zu diesem Duell, vielleicht war es für die Zugkasse besser so. Überhaupt war Rennie immer jemand der schnell dazu neigte andere Schützen oder Schützenzüge zu irgendwas herauszufordern, so maßte er sich z.B. bei einer Brauereibesichtigung der Bruderschaft bei der Bolten-Brauerei an, Thomas Kamper von "emmer to" zu einem Wettsaufen aufzufordern, glücklicherweise kam es auch dazu nicht. Einmal hatte er jedoch Glück mit seinem vorlauten Mund, was niemand für möglich gehalten hätte. Es war im Jahre 1995 als er den Schützenzug "Träck draan" zu einem Fußballspiel um 30l Bier herausforderte. Dazu aber später mehr.

Eigentlich sollte ja zunächst mal über das Anwachsen des Schützenzuges berichtet werden. Neben Roman gab es da einen weiteren Kandidaten, ein Stufenkamerad der Herren Hillers, Geratz, Wöllke und Siegers. Er wohnte in Liedberg und hieß Marcel Trost, war immer für Feiern zu haben und passte gut in die bestehende Truppe, zumal er auch Roman bereits aus früheren gemeinsamen Schuljahren kannte. Der dritte Kandidat, der nach unserem ersten Pfingstauftritt auch ein Käel werden wollte war für die meisten noch ein unbeschriebenes Blatt. Er nannte sich Markus Rickenbach (Diesen Namen trägt er übrigens noch bis heute). Da wir ja Leute brauchten und jeder eine Chance verdient hat, wurde über Alti und Uli, die ihn beide kannten der Kontakt hergestellt und beim Vogelschuss des Jahres 1989 hatte er seinen ersten Auftritt. Hierbei rief er sogleich einige Kritiker auf den Plan, weil er es sich herausnahm bei seiner ersten Einladung gleich einen weiteren Kameraden mitzubringen, den er auch in den Schützenzug haben wollte. Dieser junge Mann, Sascha Bonneß war sein Name, war jedoch, so die einheitliche Auffassung der Käels, keine Bereicherung für den Schützenzug und da auch er nicht so richtig überzeugt von der ganzen Sache zu sein schien, war der Vogelschuss (zunächst) sein erster und letzter Auftritt in unseren Reihen. Naja, zumindest Markus, der ein bodenständiger und zurückhaltender Typ war, wurde zur Probe aufgenommen und man lernte ihn schätzen wegen seiner verlässlichen Art. Eines (Ironie des Schicksals) hatte Markus Rickenbach übrigens den anderen Käels voraus, er war der Einzige, der zu diesem Zeitpunkt eine Freundin hatte.

Nachdem einige Monate vergangen waren und man sich etwas näher kennenlernte, kam die schicksalhafte Versammlung für die Probeschützen. Es sollte abgestimmt werden, ob eine vollwertige Aufnahme in den Schützenzug "Staatse Käels" erfolgt, wofür ein einheitliches Abstimmungsergebnis notwendig war. Die Versammlung fand in Steínhausen, bei Marcel Trost im Keller statt, was seine Chancen bei der anstehenden geheimen Abstimmung natürlich verbesserte. Auch Roman wollte einer positiven Entscheidung etwas nachhelfen und brachte an diesem Abend einige Flaschen selbsthergestellten "Turmgeist" mit, eine Getränkemischung aus Wodka und Orangensaft, die ihren Namen vom Dicken Turm in der Altstadt in Mönchengladbach hatte, der damals noch eine Kneipe war. Markus Rickenbach verließ sich dagegen ganz auf seine persönliche Ausstrahlung und rechnete wohl nicht damit, das ihm jemand den Eintritt in den Schützenzug verwähren würde. Es kam also schließlich auf dem Höhepunkt der Versammlung zu einer geheimen Abstimmung, die drei Betroffenen wurden noch nach draußen geschickt. Wie erwartet konnte kurze Zeit später ein positives Ergebnis verkündet werden. Alle drei waren einstimmig in den Schützenzug aufgenommen. Was dann folgte ließ diesen Abend bis heute zu einer der denkwürdigsten Versammlungen in der Geschichte der Staatse Käels werden. Die Aufnahme wurde natürlich kräftig gefeiert und Romans Schnaps erfüllte seinen Zweck, erhöhte die Stimmung am Abend und die Kopfschmerzen am nächsten Tag. Zu mitternächtlicher Stunde wurde noch ein Umzug durch das schlafende Steinhausen durchgeführt. Voran Marcels große DEG-Fahne. Leider wurde ausgerechnet der Bewohner Steinhausens wach und trat auf die Straße, auf dessen Motorhaube wir kräftig singend herumwippten. Wir machten uns dann ziemlich schnell vom Acker und führten die Veranstaltung wieder im geschlossenen Raum weiter, wo Roman seine Kunstkenntnisse durch wissenschaftliche Interpretationen der an der Wand hängenden abstrakten Gemälde unter Beweis stellte. So waren also aus sieben Käels zehn geworden und diesmal ging uns keiner mehr von der Stange, so dass wir beim zweiten Pfingstfest 1990 (das mit Markus Rickenbachs Freundin hatte sich bis dahin auch erledigt) schon eine stattliche Abordnung stellen konnten.


5. Kapitel: Die jungen Wilden
Das problematische an der Aufgabe die Chronik eines Schützenzuges zu schreiben ist die Tatsache, das all die Ereignisse über die man berichtet bereits in der Vergangenheit, ja teilweise sogar schon weit in der Vergangenheit liegen, denn selbst ein durchdrungener Statistiker wie ich führt nicht über alles was geschieht Protokoll. Und so tauchen dann natürlich im Laufe der Jahre schon Lücken im Erinnerungsvermögen auf, zumal die Staatse Käels mit der Zeit immer mehr Routine im regelmäßigen und systematischen Abtöten von Gehirnzellen entwickelt haben. Und so sitzt man dann irgendwann vor einem Blatt Papier (oder vor dem PC) und versucht krampfhaft die noch bruchstückhaften Erinnerungen zu einem Ganzen zusammenzufassen. Nicht das es nichts mehr zu erzählen gäbe, im Gegenteil, eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Ich kann jedoch nicht ausschließen, das mir einige Erinnerungen abhanden gekommen sind oder einfach nur von mir vergessen werden. Vielleicht passiert es auch, dass ich die Chronologie der Ereignisse nun ein ums andere Mal durcheinander schmeiße aber eins kann ich garantieren: All das was hier geschrieben steht ist wirklich so passiert, auch wenn es noch so unvorstellbar und unglaublich klingen mag.

Aber ich sage das alles eigentlich nur, weil ich im Moment gar nicht weiß wo ich weitermachen soll. Naja versuch ich´s halt einfach mal:

Das zweite Pfingstfest stand an, 10 Käels, darunter die drei Neuen, wobei Marcel und Markus pfingsttechnisch gesehen ja noch echte Grünschnäbel waren, zogen wieder mal mit Eifer ins Gefecht. Frauenquotenmäßig sah es noch nicht so gut aus, immerhin hatte mit Thomas Siegers zumindest einer eine Freundin, wohl auch der, der es am meisten nötig hatte. Aber die biologische Uhr der Käels war ja auch gerade erst angelaufen. Die Neuverpflichtungen erwiesen sich als gute Spieler und auch Unges Pengste war wieder einmal ein begeisterndes Fest. Denkwürdig in Erinnerung bleibt der Pfingstsamstag bei unserem Offizier Rennie (oder war es auf irgendeiner Versammlung bei ihm?) in Kleinenbroich. Uli hatte es sich nicht nehmen lassen, beim Nachbarn gegenüber in den Vorgarten zu pinkeln, was dieser gar nicht witzig fand. Auch durch den Geräuschpegel genervt riss er einige Male sein Fenster auf und störte unsere harmonische Veranstaltung in dem er mit Polizei drohte. Eine lädierte Stoßstange, die sich ein Rennies Familie nahestehender Kleinenbroicher beim Vor-und Zurücksetzen in der Einfahrt zuzog trug ihr Übriges zur Belustigung der Käels bei.

Für alle Käels blieb auch diesmal ein positives Resümee von Unges Pengste zu ziehen. Zwei seien hier kurz erwähnt: Thomas Siegers – schon zum zweitenmal Pfingsten mitgemacht und immer noch nicht gekotzt. Markus Rickenbach – Anbahnung eines ersten Verkupplungsversuches durch Thomas, der später noch erfolgreich enden sollte.

Das Jahr 1990 nahm seinen Lauf, Deutschland wurde Fußball-Weltmeister, die Wiedervereinigung wurde vollzogen, und schließlich gab es einen neuen Kandidaten für die Aufnahme bei den Staatse Käels. Stefan Brings, sein Name, ebenfalls wieder den meisten aus der Schule bekannt. Er war seit zwei Jahren Mitglied im Schützenzug "Träck draan", dem Schützenzug, mit dem die Käels in den ersten Jahren so ziemlich den meisten Kontakt hatten. Leider war er nicht ganz im Frieden aus diesem Schützenzug geschieden, was allerdings die diplomatischen Beziehungen beider Züge nur kurzzeitig belastete (bei einer Einladung unseres Schützenzuges bei Markus Oedinger im Anschluss an unseren Vogelschuss waren alle außer Stefan Brings eingeladen), im Gegenteil, die Blütezeit der Freundschaft mit "Träck draan" kam eigentlich erst danach. Stefan lastete (von seinem ersten Schützenzug mitgegeben) der ihm unliebsame Spitzname "Fanta" an, was unweigerlich zu den verschiedensten Wortspielen einlud, von denen natürlich auch reichlich Gebrauch gemacht wurde. Durch wackeres Steh- und Trinkvermögen über Jahre hinweg bei allen Veranstaltungen der Käels schaffte Stefan es jedoch im Laufe der Jahre, diesen Namen in Vergessenheit geraten zu lassen, deshalb sei er hier nochmals ausdrücklich erwähnt: Stefan Brings – Fanta Brings!

Unsere ersten Niederlagen bei bruderschaftlichen Fußballturnieren hatten wir mittlerweile auch kassiert und so langsam etablierten sich die Staatse Käels in der Bruderschaft.

Das dritte Pfingstfest mit elf Staatse Käels ist mir als ein ganz extremes in Erinnerung geblieben. Allein der Freitag hatte es schon dermaßen in sich, das ich ihm das nächste Kapitel widmen möchte. Aber auch die ganzen übrigen Tage standen bei den Käels im Zeichen nie zuvor da gewesener, exzessiv ausgelebter Trunksucht. Niemand der dabei war wird je die schrecklichen Bilder vergessen können, als Rennie ein ums andere Mal mit zwei- bis dreistöckigen Tabletts von der Theke kam. Vollgepackt bis oben hin mit Jenever, Jägermeister, Kabänes und all dem anderen schäbigen Zeug wo einem immer so schlecht von wird. Ganz abgesehen von den Unmengen von Bier. Es ist sicher nicht leicht sich in der Korschenbroicher Trinkerszene zu behaupten und man muss zunächst einiges an Lehrgeld zahlen, aber ich glaube in dem Jahr, 1991, hatten wir den Anschluss endlich geschafft. Ich erinnere mich noch genau daran, dass Marcel am Pfingstmittwoch abstinent blieb, weil sein Arzt ihm morgens wegen starker Leberschmerzen eine Trinkpause verordnet hatte. Vielleicht lag diese unglaubliche Trinkmotivation auch daran, dass allein fünf von uns in diesem Jahr ihr Abitur gemacht haben und am Donnerstag bzw. Freitag vor Pfingsten ihre letzte Prüfung absolviert hatten. Und dann ging es abends mit allen Käels, was einmalig in unserer Schützenfestkarriere geblieben ist, ins Gymnasium zur Stufenfete. Moment mal, wenn wir auf der Stufenfete waren können wir ja gar nicht bei Oedinger gewesen sein. Stimmt, wir hatten ja noch gar kein Stammlokal. Umso besser bietet sich das nächste Kapitel an.


Bald gehts weiter...